Wann kann auf AGW-Messungen verzichtet werden?
Grenzwerte für Arbeitsplatzbelastungen (AGW) sind ein zentrales Instrument im Arbeitsschutz, um Risiken durch Gefahrstoffe zu bewerten und zu kontrollieren. Doch nicht immer ist eine aufwändige AGW-Messung erforderlich oder die beste Lösung. Je nach Stoff, Tätigkeit und Arbeitsumgebung können auch andere Wege zum sicheren Nachweis geringfügiger Expositionen führen.
Was steckt dahinter?
Die Gefahrstoffverordnung erlaubt in vielen Fällen alternative Nachweisstrategien, wenn sie die gleiche Sicherheit wie eine AGW-Messung gewährleisten. Ziel ist eine praxisnahe, verhältnismäßige und risikoorientierte Vorgehensweise, insbesondere in Betrieben mit schwankenden oder kurzzeitigen Expositionen.
Was sind mögliche Alternativen?
· Substitutions- und Prozessbewertung: Wird ein gefährlicher Stoff durch einen weniger gefährlichen ersetzt oder läuft der Prozess in geschlossenen Anlagen, sodass keine Freisetzung in die Luft erfolgt, kann auf eine Messung häufig verzichtet werden.
· Vergleich mit gesicherten Daten: Bestehen ausreichende Messergebnisse aus vergleichbaren Tätigkeiten (z. B. aus branchenspezifischen Expositionsbeschreibungen), dürfen diese als Nachweis herangezogen werden.
· Technische und organisatorische Nachweise: Lüftungskonzepte, Absaugungen oder geschlossene Systeme belegen, dass die Schutzmaßnahmen ausreichen – eine zusätzliche Messung ist dann meist nicht erforderlich.
· Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation: Wichtig ist immer eine nachvollziehbare Begründung, warum die Exposition sicher unterhalb des AGW liegt.
Wann bleibt eine Messung notwendig?
In folgenden Situationen führt kein Weg an einer AGW-Messung vorbei:
· Wenn Unsicherheiten über Stoffkonzentrationen oder Schutzmaßnahmen bestehen.
· Bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden oder zum Teil sensibilisierenden Gefahrstoffen.
· Wenn sich Prozesse und Arbeitsbedingungen verändern, z.B. weil Mitarbeiter häufiger oder intensiver mit dem Stoff in Kontakt kommen und sich dadurch die Exposition erhöhen kann.
Eine gut begründete, risikobasierte Entscheidung spart nicht nur Zeit, sondern oft auch erhebliche Kosten, vor allem dann, wenn eine aufwändige Arbeitsplatzmessung gar nicht nötig ist. Wir unterstützen Sie dabei, fundiert zu entscheiden und Ihre Argumentation gegenüber Aufsichtsbehörden oder internen Stellen nachvollziehbar zu gestalten. Gemeinsam prüfen wir, ob in Ihrem Betrieb Messungen tatsächlich erforderlich sind oder ob valide Alternativen zur Verfügung stehen.
Mervée Hoffmann
Dr. rer. nat. (Dipl. Biologin)
Telefonnummer: +49 561 96996 21